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Smileys, Emoticons und Emojis: Bilder statt Worte

Smileys, Emoticons und Emojis begegnen uns vor allem in digitalen Textnachrichten via Social-Media-Plattformen und Messenger-Diensten. Sie liegen absolut im Trend und ein Ende des Booms ist längst nicht in Sicht. Aus dem einstigen Jugendhype hat sich inzwischen eine eigene Bildsprache entwickelt, die Texte auflockern und zum Teil, etwa als Antwort auf eine Frage, komplett ersetzen kann. Was die kleinen Bildschriftzeichen für die Verständigung leisten, welche Wirkung sie erzielen und ob sie in Kommunikationssituationen jenseits privater Chats angebracht sind, erfahren Sie in den folgenden Ausführungen.


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Emojis in Texten – eine ganz neue Sprache?

Hieroglyphen, Höhlenwandmalereien und Gaunerzinken beweisen: Seit jeher nutzt der Mensch Bildzeichen als Mittel zur Verständigung. In abgewandelter Form tauchten diese erneut auf, als zunächst der Computer und Jahre später auch das Internet sowie Smartphones u. ä. in die Mitte der Gesellschaft vordrangen. Mit den neuen, interaktiven Techniken sowie den sozialen Medien änderte sich die Form der Kommunikation, sowohl im privaten zwischenmenschlichen Bereich als auch im Dialog zwischen Unternehmen und Kunden. Schnelligkeit, Kürze und Prägnanz prägen seitdem den schriftlichen Austausch übers Netz. Short Message Services (SMS) und der Mikroblogging-Dienst Twitter beispielsweise waren ursprünglich auf 160 beziehungsweise 140 Zeichen begrenzt. Heute ist das Limit erweitert, nach wie vor aber knapp bemessen.  Schon deshalb müssen über diese Kanäle verschickte Textnachrichten auf ihren Kern reduziert werden. Für verständnisfördernde Füllwörter bleibt da kein Platz. Glücklicherweise stehen mit Smileys, Emoticons und Emojis jedoch Zeichen zur Verfügung, die die mit der mündlichen Sprache mitschwingenden, nonverbalen Inhalte spielend ersetzen und so wiederum das Verstehen der Botschaft erleichtern.

Inzwischen sind Emojis & Co. nicht nur beliebtes Stilmittel bei Jung und Alt, sondern durchaus Dauerthema in den Medien. Grund genug, uns der Thematik einmal anzunehmen. Wir erörtern, wodurch sich Smileys und Emojis unterscheiden, was die hübschen Bildchen (sprachlich) leisten und wie sogar Ihr Unternehmen von ihrem Gebrauch profitieren kann.

 

Smiley, Emoticon, Emoji – alles dasselbe? 

Die Geschichte des Emoticons – übrigens ein Kofferwort aus Emotion und Icon – geht zurück auf ein Missverständnis im Jahr 1982: Physikern entging der ironische Unterton einer Nachricht, in der Informatiker über eines ihrer Experimente spotteten. Scott E. Fahlman, Professor für Informatik an der betreffenden US-amerikanischen Carnegie Mellon Universität, schlug daraufhin vor, schriftlich übermittelte Witze künftig mit der simplen Zeichenfolge :-) zu markieren – die Geburtsstunde des berühmten Smileys! Es lässt leicht die Nachahmung eines menschlichen Lächelns erkennen, sobald der Betrachter den Kopf um 90 Grad nach links neigt. Dem klassischen Smiley, das sich schnell durch Online-Plattformen und E-Mails verbreitete, folgten Ende der 2000er Jahre weitere Emoticons, die sich aus Satz- und Sonderzeichen, Zahlen und/oder Buchstaben zu kleinen Strichbildern zusammensetzen. Dabei gestalteten sich die Textgesichter im Laufe der Zeit komplexer. Beliebtes Beispiel ist der achselzuckende Shrug, der gern dann zum Einsatz kommt, wenn einem sonst nichts mehr einfällt: ¯\_()_/¯

Emojis Likes jollywords

Inzwischen wurden die auf Schriftzeichen basierenden, minimalistischen Emoticons durch digital weiterentwickelte, fertige bunte Bildchen – die grafischen Emojis – abgelöst: Der Begriff stammt aus dem Japanischen und bedeutet «Bilderbuchstabe» oder «Bildschriftzeichen». In Funktion und Handhabung sind Emojis den Emoticons sehr ähnlich. Als Piktogramme bilden sie gegenständliche Objekte (z. B. Gebäude, Fahrzeuge, Pflanzen und Tiere) ab, als Ideogramme visualisieren sie Abstraktes wie Eigenschaften und Emotionen und können so ganze Geschichten erzählen. Hinsichtlich der Optik sind sie hingegen unveränderlich, nicht gedreht dargestellt, teilweise jedoch animiert. Um 2010 etwa setzten sich die Emojis auch ausserhalb Japans durch und entwickelten sich zum riesigen Hype. Konkurrierende Mobilfunkanbieter und Social-Media-Plattformen tüfteln ständig an neuen Emoji-Sammlungen. Launcht beispielsweise Facebook eine neue Kollektion, ist es den Nachrichtensendungen zur Prime Time durchaus eine Meldung wert.

 

Funktion und Wirkung – was die Bildzeichen im Text leisten

Schrift allein wird in der zwischenmenschlichen Kommunikation, vor allem bezüglich der Zwischentöne, oft als unzureichend wahrgenommen. Schliesslich fehlen para- und nonverbale Ausdrucksmittel wie Stimme, Mimik und Gestik, die in einem mündlichen (Face-to-Face-)Gespräch wichtige Informationen transportieren und Interpretationshilfen bereitstellen. Besonders deutlich zeigt sich dieser Mangel im privaten, lockeren Schriftverkehr via E-Mail, Instant Messaging oder Chat. Und genau hier treten Emojis am häufigsten auf. Die Bildschriftzeichen ersetzen die para- und nonverbale Kommunikation und arbeiten einem Text zu, indem sie:

  • Stimmungen und Gefühle ausdrücken und für eine persönlichere Note sorgen,
  • die Einstellung und Intention des Verfassers sowie die Wahrhaftigkeit einer Aussage verdeutlichen,
  • Bedeutungen verfeinern und Inhalte betonen oder relativieren,
  • die Ausdrucksmöglichkeiten für schwer Sagbares erweitern,
  • Handlungsaufforderungen übermitteln und 
  • Aussagen verkürzt auf den Punkt bringen.

Sowohl Textgesichter als auch Piktogramme können den Interpretationsspielraum des Empfängers eingrenzen, Mehrdeutigkeiten und folglich Missverständnisse reduzieren. Der Daumen nach oben signalisiert eindeutig: Alles okay! Ein Tränen lachender Emoji kennzeichnet Witz, Sarkasmus und Ironie. Gerade die positiv besetzten Emojis sind lustig und cool. Und die fröhlichen Bildchen punkten mit einem weiteren Vorteil: Sie lockern einen (längeren) Text optisch auf und ziehen als visuelle Information sofort die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich, der sich in seinem Spieltrieb angesprochen fühlt und von guter Laune gern anstecken lässt. Kein Wunder, dass auch Unternehmen Emojis als Stilmittel in der Kundenkommunikation sprechen lassen.

 

Sind Emojis in der Unternehmenskommunikation angemessen?

Nach Kindern und Jugendlichen sind Erwachsene längst ebenfalls auf den Emoji-Zug gesprungen und verwenden die Bildschriftzeichen mit wachsender Begeisterung. Unternehmen, die Emojis in Social-Media-Posts oder Newsletter einbinden, können also ziemlich sicher sein, auch ihre Zielgruppe damit zu erreichen. Doch gilt das wirklich in jedem Fall? 

Nicht ganz. Bevor Sie Ihr Bestattungsunternehmen mit Champagner-Piktogrammen oder Versicherungsprodukte mit zwinkernden Smileys bewerben, sollten Sie sich Folgendes fragen: 

  • Passen Emojis zu Unternehmen, Marke und Produkt? 
  • Wie möchten Sie wahrgenommen werden? Legen Sie Wert auf eine seriöse, distanzierte Professionalität oder ist Ihnen der lockere, persönliche Umgang wichtiger?
  • Wen wollen Sie ansprechen? Wie reagiert Ihre Zielgruppe auf Emojis? Benutzt sie diese möglicherweise selbst?
  • Auf welcher Plattform veröffentlichen Sie Ihre Postings?
  • Könnten die eingesetzten Emojis falsch verstanden werden und Kommunikationsstörungen begünstigen?

Passen sie thematisch in den Kontext, erzielen Emojis viele positive Effekte: Dasselbe Palmen- oder Sonnenschirm-Piktogramm als Ergänzung zu Ihren Reiseangeboten beispielweise kann den Wiedererkennungswert Ihrer Marke erhöhen. Im direkten Dialog mit Ihren Kunden wirken Sie als Unternehmer nahbarer und damit nicht selten auch sympathischer. Eine Studie des Marketing-Unternehmens Appboy fand 2016 ausserdem heraus, dass Nachrichten mit Smiley im Betreff häufiger geöffnet werden und auch die Interaktionsrate beziehungsweise Conversion Rate bei Social-Media-Beiträgen mit bildlicher Unterstützung deutlich höher ausfällt.

Emoji Sprechblasen jollywords

 

Der Haken an der Sache:

Bei all den Vorteilen liegt klar auf der Hand, dass Unternehmen den Trend für sich nutzen. Allerdings laufen einige Gefahr, es zahlenmässig zu übertreiben und vor lauter Emojis vom Inhalt der Nachricht abzulenken. Um nicht übers Ziel hinauszuschiessen und so den Leser visuell zu überfordern, empfiehlt sich ihr quantitativ gemässigter, aber thematisch zielgerichteter Einsatz – speziell dort, wo es um die Vermittlung fachlicher Informationen geht oder Menschen leicht verletzbar sind. Kommentieren Sie heikle, traurige Themen mit bunten Bildchen, müssen Sie sich eventuell den Vorwurf gefallen lassen, das Ganze nicht ernst genug zu nehmen und ins Lächerliche zu ziehen. Das Auberginen-Emoji zum Beispiel wird von Usern schon mal als Phallussymbol zweckentfremdet, das Pfirsich-Emoji wiederum erinnert an ein Gesäss. Um Fauxpas zu vermeiden, sollten Sie sich deshalb lieber zweimal überlegen, wann und wo solche zweifelhaften Zeichen angemessen sind. Das gilt nicht nur für die Kommunikation mit Ihren Kunden. Auch E-Mails an hohe Vorgesetzte sind selten der richtige Ort für Spässe dieser Art.

 

Fazit: Emojis sind mehr als hübsche bunte Bilder

Emojis unterstützen die Kommunikation, vor allem dann, wenn unser Wortschatz an seine Grenzen stösst. Sie transportieren schwer formulierbare Emotionen, ersetzen Mimik und Gestik, verkürzen Aussagen und erleichtern das Verstehen einer Botschaft – jedenfalls solange ihre Bedeutungszuschreibung eindeutig ist. Positiv besetzte Emojis werden am häufigsten genutzt und wirken sich aus Sicht des Empfängers entsprechend positiv auch auf die Wahrnehmung beziehungsweise Einschätzung des Nutzers aus. Diesen Effekt machen sich Unternehmen ganz bewusst zunutze. Interaktionsrate, Wiedererkennungswert und Sympathiegrad können von der Verwendung der zeitgemässen Hieroglyphen deutlich profitieren. Anderseits kann Ihre Unternehmenskommunikation bei unüberlegtem Emoji-Gebrauch aber auch schnell ins Unseriöse kippen.

Sie wünschen Tipps und Tricks für Texte, die bei Ihrer Leserschaft wirklich ankommen? Schreiben Sie uns an info@jollywords.com und erzählen Sie uns von Ihrem Vorhaben! 

 

Übrigens: Am 17. Juli ist Welt-Emoji-Tag. Mehr dazu und weitere passende Themen hält unser Newsletter vom Juli 2019 für Sie bereit.

  • Schon gewusst: Empfehlung vom Duden – so platzieren Sie Emojis korrekt
  • Tipp des Monats: Emojipedia – das Online-Nachschlagewerk für Emojis

 

Autorin: Maria Schuhmacher


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