Humor im Text

Chuck Norris hat noch jeden zum Lachen gebracht. Und womit? Mit recht! Aber mal im Ernst: Wie sieht es mit Spass in Texten aus? Was Humor ist, wie er entsteht und in Texten wirkt, damit haben wir uns in diesem Blogartikel beschäftigt.

Humor im Text

Humor im Text

06.07.2015

Chuck Norris hat noch jeden zum Lachen gebracht. Und womit? Mit recht! Denn wir alle lachen gern über einen guten Witz. Deshalb liegt es auf der Hand, auch beim Texten das Geschriebene mit einer gesunden Prise Humor anzureichern. Aber mal im Ernst: Wie sieht es mit Spass in Texten aus? Welche Funktion hat er dort? Was Humor eigentlich ist, wie er entsteht und wie er schriftlich wirkt, damit haben wir uns in diesem Blogartikel beschäftigt.

1. Was ist Humor? Oder: Warum Chuck Norris nie lacht.

Eine allgemeingültige Definition von dem, was Humor nun genau ist, sucht man vergebens. Denn Humor ist etwas sehr Subjektives. Wir lassen die biochemischen Prozesse beiseite und konzentrieren uns auf das Ergebnis: Humor ist das, was ein zaghaftes Lächeln oder herzhaftes Lachen hervorruft. Eine andere, grandiose Definition stammt von Guillermo Mordillo: «Nachdem Gott die Welt erschaffen hatte, schuf er Mann und Frau. Um das Ganze vor dem Untergang zu bewahren, erfand er den Humor.» Oder: Die Dinosaurier lachten EINMAL über Chuck Norris ... Ende der Geschichte!

2. Wie entsteht Humor im Text?

Die einen können sich bei einem Witz vor Lachen kaum mehr auf den Beinen halten, während andere bei derselben Pointe nicht einmal schmunzeln müssen. Klar, jeder lacht über das, was er lustig findet. Aber es gibt Mechanismen, die Humorvolles entstehen lassen – auch in Texten. Die folgenden Werkzeuge erleichtern humoristisches Schreiben:

  • Übertreibung

Ein einfaches Mittel für witziges Texten ist die Übertreibung, auch Hyperbel genannt. Alltägliche Sachverhalte werden dabei so überspitzt, dass sie beinahe grotesk wirken. Oder: Mithilfe der Hyperbel wird über die Glaubwürdigkeit hinaus übertrieben.

Chuck Norris isst keinen Honig. Er kaut Bienen.

Sommer. Der schönste Tag des Jahres in Hamburg.

Ich bin so hungrig, ich könnte einen Elefanten essen.

  • Inkongruenz

Inkongruenz. Klingt schwierig, ist es aber nicht. Gemeint ist damit nur, dass 2 Dinge nicht zusammenpassen, obwohl sie es eigentlich sollten.

Ich kenne einen alten Kerl aus Neuseeland, der keinen einzigen Zahn in seinem Mund hat. Aber er spielt die Basstrommel besser als jeder, den ich bisher hörte.

Chuck Norris kann eine Drehtür zuschlagen.

Sagt die eine Eintagsfliege zur anderen: «Das Geld, das du mir geliehen hast, das kriegst du morgen.»

  • Erwartungsbruch oder Irreführung

Wenn etwas völlig Unerwartetes passiert, ergibt sich daraus meist eine gelungene Pointe. Bringen Sie Ihre Leser dazu, etwas Logisches zu Ende zu denken und zerschlagen Sie diesen Gedankengang urplötzlich! Der Ausgang der Geschichte kann wiederum logisch, aber auch völlig unlogisch sein.

Fahren zwei Bauarbeiter an einer Wiese vorbei. Auf ihr steht ein Kasten Bier. Sagt der eine Bauarbeiter zum anderen: «Du, was wird denn da gebaut?».

Wie bringt man drei Elefanten in einen VW Polo? Zwei vorne, drei auf der Rückbank.

Chuck Norris kann einen Stuhl hochheben, auf dem er selber sitzt.

  • Wiederholung oder die magischen 3

Wollen Sie Ihrem Text ein bisschen Witz verleihen, greifen Sie auf die 3er-Regel zurück: gute Pointe, gute Pointe, grandiose Pointe. Konstruieren Sie 2 kleinere Pointen, bevor Sie den Knaller zünden! Führen Sie zum Beispiel Ihre Leser mit 2 Begriffen zu einem Thema in eine bestimmte Richtung und sorgen Sie anschliessend mit einem dritten Begriff zu einem ganz anderen Thema für einen Lacher!

Die Luft besteht zu 21 % aus Sauerstoff, zu 78 % aus Stickstoff und zu 1 % aus Chuck Norris.

Was für eine Welttournee. Vorgestern New York, gestern Paris, heute St. Blasien.

Was für ein Tag. Erst wurde mir eine Scheibe eingeworfen, dann hatte ich einen Wasserschaden. Und dann, die Krönung, stand auch noch die Schwiegermutter vor der Tür!

  • Wortwitz

Er ist sehr verlockend für Schreibende. Wenn ein Wort mehr als nur eine Bedeutung hat, ist das eine Einladung für ein komisches Element im Text. Ein Wortwitz ist also ein Witz, der auf Wortspielereien basiert.

Treffen sich zwei Fische im Wasser. Sagt der eine: «Hi!» Der andere entsetzt: «Wo? Wo?»

Chuck Norris in der Metzgerei: Guten Tag, ich hätte gern 150g Leberwurst, aber bitte von der groben, dicken! Metzger: Tut mir leid, die hat heute Berufsschule!

Warum haben Fische Schuppen? Damit sie ihre Fahrräder abstellen können.

  • Metapher

Mit Metaphern zeichnen Sie ein humoristisches Bild. Nutzen Sie dieses Stilmittel, um komische Vergleiche anzustellen!

Mach mal halblang! So, wie Chuck Norris bei der Bartpflege.

Vater zum Date seiner Tochter: Brichst du ihr das Herz, brech ich dir die Beine!

Klippenspringen vom Ein-Meter-Brett ist wie die Nadel im Heuhaufen suchen.

  • Kleine Ursache – grosse Wirkung

Immer wieder lustig: Etwas Kleines, das eigentlich keine Auswirkung auf seine Umgebung haben darf, bringt die Ordnung, die wir kennen, durcheinander. Das kann an der Stelle nie und nimmer so gut beschrieben werden, wie es dieser Sketch von Loriot tut. Oder: Als Chuck Norris einmal sauer war, trat er auf den Boden. Das Ergebnis der entstehenden Druckwelle ist uns heute als Grand Canyon bekannt.

3. Die Wirkung von Humor im Text

Klar, lustig ist gut. Aber welche Vorteile hat es, humorvoll zu schreiben? Hier finden Sie einige Gründe, wieso Sie Ihre Texte durchaus mit einem kleinen Humor-Topping versehen können:

  • Gesteigertes Lesevergnügen

Es macht einfach mehr Spass, einen Text zu lesen, bei dem es was zu lachen gibt.

  • Sympathiegewinn beim Leser

Der Leser wird den Text und damit auch seinen Verfasser sympathischer finden. Man kennt das aus der realen Welt: Leute mit Humor sind einem eher sympathisch als die humorbefreiten.

  • Auflockerung des Textes

Gerade wenn der Inhalt des Textes mal nicht ganz so spannend ist, bringt Humor die nötige Abwechslung hinein.

  • Anreiz zum Weiterlesen

Wenn ein Text unterhaltsam ist, liest man gerne weiter. Die Motivation: weitere unterhaltsame Stellen.

  • Memorierung des Gelesenen

Ein Text, der einen zum Lachen gebracht hat, bleibt beim Leser eher im Gedächtnis.

  • Lesepublikum aufbauen

Wer den Dreh raus hat und an den geeigneten Stellen Witziges einstreut, der überrascht seine Leser, gewinnt sie für sich und macht sie zu treuen Anhängern.

4. Aber manchmal ist weniger doch mehr

Ein humorvoller Text ist gut, aber nicht immer notwendig und manchmal auch unnötig. Einige Texte kommen inhaltlich auch ganz gut ohne Humor aus, z. B. medizinische, technische oder juristische. Und nichts ist schlimmer als eine Pointe, die nicht zündet. Wenn man sich selbst unsicher ist, ob das Geschriebene gerade lustig war, dann lieber wieder aus dem Text löschen. Da muss man selbst sein härtester Komik-Kritiker sein!

Zu guter Letzt frei nach Horaz: Lieber einen guten Witz verlieren als etwas vom Inhalt. Der Inhalt ist immer wichtiger als die Pointe. Im Zweifel also besser die Humor-Bremse ziehen als unverständlich und womöglich gar falsch zu schreiben! Das weiss auch Hape Kerkeling: «Witzigkeit kennt keine Grenzen, Witzigkeit kennt kein Pardon.»

In diesem Sinne: alles Gute und viel Spass beim Texten!

Autor: Franz Neugebauer